|
There are no translations available. Hier finden Sie Kurzzusammenfassungen einer branchenspezifischen Auswahl an Fällen von extremer Arbeitsausbeutung und Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung
Die 2004 legal nach Berlin eingereiste äthiopische Spezialitätenköchin hat in den anderthalb Jahren, in denen sie in einem Restaurant bis zu 19 Stunden am Tag sieben Tage die Woche tätig war, insgesamt 500 Euro Lohn bekommen. Der Betroffenen wurde gerichtlich eine höhere Summe Geld zugesprochen. Ihr Arbeitgeber wurde wegen Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf
Ausbeutung in einem griechischen Lokal in Brandenburg Ein griechisches Ehepaar , das nach Deutschland kam, um in einer Gaststätte im Raum Brandenburg als Küchen- und Putzhilfe zu arbeiten, stellte erst nach fünf Monaten fast täglicher Arbeit von rund 16 Stunden am Tag fest, dass es bei den eigentlichen Lohnauszahlungen um die Hälfte des vertraglichen Lohns von 7,50 Euro ging. Der Arbeitgeber wurde von dem Arbeitsgericht zur Zahlung der ausstehenden Differenzbeträge verurteilt. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf Acht junge Männer aus Griechenland arbeiteten ohne Vertrag auf einer Baustelle in Berlin. Als sie nach 20 Tagen zehnstündiger Arbeit am Tag, wofür sie jeweils 300 Euro erhielten, wieder zu der Baustelle kamen, war keiner da. Mangels Wissens über den genauen Ort der Baustelle oder den Namen des Arbeitgebers war es den Betroffenen nicht möglich, Ansprüche beim Jobcenter durchsetzen. Eine Indonesierin wurde über eine Agentur für die Arbeit in einem Diplomatenhaushalt angeworben. Als sie nach zweieinhalb Jahren unentgeltlicher Arbeit in Berlin, wo sie die ganze Zeit in der Wohnung eingesperrt war, an Tuberkulose erkrankte, weigerte sich ihr Arbeitgeber mehrere Monate, sie ins Krankenhaus zu bringen. Über die indonesische Botschaft bekam die Betroffene den Lohn rückwirkend ausgezahlt. Der Arbeitgeber ging „komplett straffrei“ aus.
Lohnbetrug bei der Speed Clean GmbH Mitte Mai 2011 kamen drei rumänische Frauen, über eine rumänische Agentur vermittelt, nach Berlin als Reinigungskräfte arbeiten. Laut Vertrag mit der deutschen Firma Speed Clean GmbH sollten sie 800 Euro Monatslohn bekommen, doch der Arbeitgeber zahlte so gut wie nichts. Die Arbeiterinnen hatten weder Geld für Essen noch für eine Rückkehr in ihr Heimatland. Die Vermittlung durch die DGB Beratungsstelle für entsandte Beschäftigte zeigte Wirkung. http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_25_05/ausgebeutete_rumaenische.html
Serbische Reinigungskraft in einem Berliner Hotel ausgebeutet Die 20-jährige Roma aus Serbien, die als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland kam und mittlerweile mit einer Aufenthaltsgenehmigung in Berlin wohnhaft ist, fand eine Beschäftigung als Reinigungskraft in einem Berliner Hotel. Laut Vertrag mit der Vermittlerfirma betrug ihr Lohn 2,25 Euro brutto pro gereinigtes Zimmer. Um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können und somit die Voraussetzungen für einen Aufenthaltstitel zu erfüllen, musste die Analphabetin 60 Stunden pro Woche arbeiten. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf
Schmuckhändlerin klagt den ausstehenden Lohn ein Eine in Berlin legal wohnhafte alleinerziehende Mutter von zwei Kindern nahm 2009 das Arbeitsangebot an, in Berlin Schmuck zu verkaufen. Die Arbeit, mit einem voraussichtlichen Stundenlohn von 6 Euro, wurde von einem Mann aus ihrer ethnischen Community vermittelt. Nach acht Wochen, in denen ihr kein Geld ausgezahlt wurde, kündigte die Betroffene und klagte den ausstehenden Lohn ein. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf Eine vietnamesische Witwe kam illegal nach Berlin um den Lebensunterhalt ihrer Familie in der Heimat durch Verkauf von Zigaretten zu sichern. Versprochen wurde ihr ein Monatsverdienst von ca. 500 Euro, doch abzüglich Kosten für den Verkaufsplatz und die Miete (die kleine Wohnung teilte sie mit etwa neun Personen) blieben ihr monatlich nur 200-300 Euro. Nach der Verhaftung durch die Polizei für illegalen Zigarettenverkauf fand die Betroffene in der Abschiebehaft Unterstützung seitens SeelsorgerInnen. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf
Im August 2009 fand bundesweit eine Reihe von Razzien gegen chinesische Schleuserbanden statt. Diese sollen Spezialitätenköche aus China nach Deutschland angeworben haben, welche daraufhin gezwungen wurden, zu Hungerlöhnen in chinesischen Restaurants zu arbeiten. Mehr als tausend chinesische Arbeitskräfte seien in den zehn Jahren der Tätigkeit von den Menschenhändlern, gegen die die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelte, ausgebeutet und nahezu wie Sklaven gehalten worden. Das Verfahren wurde auf Grund des vorzeitigen Ruhestands einer Richterin im August ausgesetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,643274,00.htmlhttp://www.sueddeutsche.de/panorama/verfahren-gegen-menschenhandel-die-einen-setzen-sich-ab-andere-setzen-sich-zur-ruhe-1.988067
Restaurantchef in Günzburg zu hoher Geldstrafe verurteilt Das Amtsgericht Günzburg verurteilte einen Restaurantbesitzer, der einen Koch aus China illegal nach Deutschland eingeschleust hatte, zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro. Ob der Koch von dem Restaurantchef ausgebeutet worden war, konnte im Prozess nicht eindeutig geklärt werden. Es stand jedoch fest, dass der Betroffene mit einem Scheinvertrag nach Deutschland angeworben worden war und in der Tat lediglich ein Drittel des vereinbarten Lohns für seine Arbeit erhalten hatte.
Das Betreiberpaar eines Neuburger Restaurants wurde vom Amtsgericht Augsburg wegen Nötigung und Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung von mindestens 15 Angestellten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Die Angeklagten, eine Rumänin und ein Grieche, gaben zu, die in Gasthäusern in Neuburg und Nördlingen beschäftigten Arbeitskräfte rund um die Uhr zur Arbeit gezwungen und darüber hinaus deren Sozialversicherungsbeiträge unterschlagen zu haben.
Im Februar 2008 wurde vom Landgericht Augsburg ein Polizist und Erdbeerplantagenbesitzer wegen Menschenhandels zum Zweck der Arbeitsausbeutung und illegaler Beschäftigung von 50 Erntepflückern aus Rumänien zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Ein Mitangeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Beihilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,733853,00.html Schwere Vorwürfe wegen Schwarzarbeit, Menschenhandel und Ausbeutung der Arbeitskraft wurden im Sommer 2010 von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit gegen Landwirte aus Landau erhoben. Sieben osteuropäische Erntehelferinnen sollen in dem landwirtschaftlichen Betrieb illegal beschäftigt und durch einen niedrigen Lohn in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber gebracht worden sein.
Das Amtsgericht Coburg verurteilte ein Ehepaar, das Haushaltshilfen aus Osteuropa illegal nach Deutschland vermittelt hatte, zu jeweils zwei Jahren und drei Monaten Haft. Die Täter sollen über einen Zeitraum von zwei Jahren osteuropäische Frauen aus ärmeren Gebieten für die Arbeit in Seniorenhaushalten angeworben haben. Es kam dabei zu massiver Ausbeutung der Arbeiterinnen. http://www3.e110.de/index.cfm?event=page.detail&cid=2&fkcid=1&id=52075
Das Augsburger Amtsgericht ermittelte im Spätherbst 2009 im Fall eines Au-pair-Mädchens aus Rumänien, das von einer Deutschen rumänischer Herkunft anscheinend wie eine Sklavin im Haushalt ausgebeutet worden war. Mangels Beweise wurde die ursprünglich wegen Menschenhandels angeklagte Deutsche schließlich wegen Lohnwucher zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro verurteilt. Sie habe das Au-pair-Mädchen nämlich gezwungen, ein Bankkonto zu eröffnen und ihr dafür eine Vollmacht zu geben.
Verurteilung wegen Ausbeutung von Regalauffüllern Das Augsburger Landgericht verurteilte den früheren Geschäftsführer einer Stuttgarter Firma wegen Ausbeutung der Arbeitskräfte zu sechs Jahren Haft. Auch weitere Familienangehörige, die sich als Mittäter erwiesen, wurden bestraft. Das Familienunternehmen soll über einen Zeitraum von sechs Jahren ein Netz aus etwa zwei Dutzend Subunternehmen unterhalten haben, die Arbeitskräfte aus Portugal und Bulgarien zu Hungerlöhnen angestellt haben, um diese an deutsche Supermärkte als Regalauffüller zu vermitteln. http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Prozess-Die-Ausbeutung-der-Regalauffueller-id8235256.html
Ausbeutung in einer Wäscherei Wegen ihres Duldungsstatus in Deutschland stand Frau O. unter großem Druck, eine Beschäftigung zu finden. 2008 nahm sie ein legales Arbeitsverhältnis in einer deutschen Wäscherei auf, wo sie 50-60 Wochenstunden im Einsatz war und schlicht ausgebeutet wurde. Nach einem Arbeitsunfall wurde sie von dem Arbeitgeber sofort entlassen. http://www.gegen-menschenhandel.de/Downloads/BBGM%20Studie.pdf
Die Staatsanwaltschaft Stade, Niedersachsen, ermittelte 2008 gegen den Deutschen, der bis zu 25 Frauen aus Nordosteuropa als Verpackerinnen angeworben und als billige Arbeitskräfte ausgenutzt habe. Die Arbeitnehmerinnen verdienten anscheinend weniger als 1,50 Euro pro Stunde, es wurden keine Sozialabgaben gezahlt. Insgesamt waren mehr als hundert Osteuropäerinnen betroffen.
Massive Ausbeutung seitens Toilettenbetreiber Im Juni 2009 hat die Polizei in einer bundesweiten Razzia hunderte sanitäre Einrichtungen von Autobahnraststätten durchsucht, wo Arbeitskräfte vorwiegend bulgarischer Herkunft scheinbar jahrelang ausgebeutet wurden. Ermittelt wurde gegen sechs Personen, welche bei Mainz ein Geflecht von Hygiene-Service-Firmen aufgebaut hatten, die ihre Beschäftigte nicht bei der Sozialversicherung anmeldeten und ihnen Teile des Lohns einschließlich Trinkgelder vorenthielten. http://wirtschaft.t-online.de/grossrazzia-gegen-toiletten-betreiber/id_19223978/index
Seit Mai 2011 ermittelt die Ansbacher Staatsanwaltschaft gegen den Zirkus Barelli, der unter Verdacht des Sozialbetrugs und des Menschenhandels steht. Etwa 45 Zirkusangestellte, darunter viele aus der Tschechischen Republik und Rumänien, seien unter falschen Voraussetzungen nach Deutschland angeworben worden und befänden sich in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. http://www.sueddeutsche.de/75C38Y/4111710/Ermittler-werfen-Zirkus-Menschenhandel-vor.html
In Düsseldorf lief im Winter 2010 ein Gerichtsverfahren gegen ein polnisches Ehepaar , das zwischen 2005 und 2007 mindestens vier taubstumme Menschen gezielt aus Polen nach Düsseldorf gelockt und unter Schlägen und Drohungen zum Betteln gezwungen haben soll. Die Betroffenen seien unter Druck gesetzt worden, auf Straßen und in Lokalen Plüschtiere als Schlüsselanhänger für wenige Euro verkaufen zu müssen und das verdiente Geld an das Ehepaar bis auf wenige Cent zu geben.
Rumänen in München zum Betteln gezwungen Im Dezember 2010 fand in München ein Prozess wegen Menschenhandels und räuberischer Erpressung gegen drei Rumänen statt. Sie sollen im Juni desselben Jahres sieben Landsleute unter falschen Versprechungen nach München gebracht und mit Gewalt und Todesdrohungen zum Betteln auf den Straßen gezwungen haben. Die Köpfe der Bettlerbande kamen trotz massiver Vorwürfe mit zwei Jahren auf Bewährung davon. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/landgericht-muenchen-i-zum-betteln-gezwungen-1.1038617
Hunderte Vertragsarbeiter im Fall von SerbAz betroffen Ein massiver Fall von Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung wurde im Spätherbst 2009 bei der Tätigkeit der Firma SerbAz aufgedeckt. Das Unternehmen hatte rund 700 Arbeitskräfte aus Bosnien und Herzegowina, Serbien und Mazedonien nach Aserbaidschan angeworben und sie systematisch ausgebeutet. Den Arbeitern wurden Pässe weggenommen und nur geringer Lohn ausgezahlt, ehe ihnen auch dieser vorenthalten wurde. Wegen schlechter Lebensverhältnisse und mangelnder medizinischer Versorgung kam es zu zwei Todesfällen. http://www.berlin-brandenburg.dgb.de/article/articleview/7217/1/494/
Drei Rumänen wegen Menschenhandel von Landsleuten verurteilt Drei rumänische Männer, die 28 Landsleute, darunter ein Kind, nach Irland gebracht hatten und sie mit Gewalt und Drohungen zur Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen hatten, wurden von einem rumänischen Gericht zu fünf bzw. sieben Jahren Haft verurteilt. Die Täter konnten dank der engen Zusammenarbeit der rumänischen und irischen Ermittlungsbehörden gefasst werden.
http://news.orf.at/stories/2007682/2007680/
Menschenhandel bei Waldarbeiten in Tschechien Der Prager Anwalt Jira stellte im Namen von Arbeitern, die bei Aufforstungsarbeiten in Tschechiens Wäldern ausgebeutet wurden, Strafanzeige wegen Menschenhandels und Betrugs. Diese haben die Subunternehmen zu verantworten, die unter Vorspiegelung falscher Lohnversprechen hunderte von Arbeitern aus Vietnam und Rumänien in die Tschechische Republik angeworben und ihnen später jeglichen Lohn vorenthalten haben sollen. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/23289_Auslaender-im-Wald-allein-gelassen.html Eine Haushaltsarbeiterin aus Malawi erhielt für ihre Arbeit in einem Diplomatenhaushalt an sieben Tagen der Woche einen Monatslohn von 400 Euro. Der Arbeitgeber nahm ihr den Pass weg und forderte, sie solle bei ihm fünf Jahre arbeiten. Die Betroffene musste beim Kochen, Putzen und Kinderbetreuen etwa 15 Stunden pro Tag im Einsatz sein.
Rumänische Kinder zur Feldarbeit in Großbritannien gezwungen
Im Rahmen der Operation „Migrantes“ wurden im süditalienischen Rosarno 31 Personen verhaftet, die unter Verdacht standen, hunderte afrikanische Tagelöhner extrem ausgebeutet zu haben. Darüber hinaus wurden in der Gegend um die kalabrische Kleinstadt 20 Landwirtschaftsbetriebe und 200 Grundstücke im Wert von 10 Mio. Euro beschlagnahmt. Rosarno war einige Monate zuvor durch heftige Proteste der afrikanischen Einwanderer gegen unmenschliche Lebens- und Arbeitsbedingungen bekannt geworden. Ein schwerer Fall der Ausbeutung wurde von der argentinischen Steuerbehörde (AFIP) bei einem Tochterunternehmen des multinationalen Agrarkonzerns DuPont aufgedeckt. Hundert Erntearbeiter waren unter unhygienischen Verhältnissen ohne Toiletten und Strom in fünf Lagern untergebracht und wurden zur Feldarbeit unter sklavenähnlichen Bedingungen gezwungen. Die AFIP entzog DuPont daraufhin mit sofortiger Wirkung Zoll- und Steuererleichterungen.
|

